|
Der Pelzhandel, durch wirtschaftliche Interessen vorangetrieben, hat das Chinchilla
lanigera an den Rand des Aussterbens gebracht. Der Bestand der getöteten Tiere war über einen längeren Zeitraum bei weitem höher als die Fortpflanzungsrate der Spezies. Diese umfassende, von Menschenhand
herbeigeführte Sterblichkeit musste so den natürlichen Sterblichkeitsfaktoren hinzuaddiert werden. Darüber hinaus hatten die in der Umgebung der Chinchillakolonien lebenden Menschen kein Interesse, weder
persönlicher noch wirtschaftlicher Art, die Spezies zu schützen. Ganz im Gegenteil, - einige Einheimische gingen der Jagd nach Chinchillas derart extensiv nach, dass der Begriff des “Chinchilleros” fast geläufiger
war als der Name der Tierart selbst. Selbst heute sind den Menschen, die
in der Nähe des Reservats wohnen, Chinchillas nahezu unbekannt.
Das deutsch-chilenische Projekt “ChinChorro” setzt sich daher u. A. dafür ein, Schüler aus dem nahe des Reservat gelegenen
Städtchen Illapel über das Chinchilla zu informieren, um die Erfolgsaussichten dafür zu erhöhen, dass die Schüler ein persönliches Interesse daran entwickeln, ein Tier zu schützen,
das vom Aussterben bedroht ist. Ohne die Unterstützung der Einheimischen wird ein Schutz der Tierart auf Dauer nicht von Erfolg sein.
Die Anzahl der ersten ChinChorros, die sich im Herbst 2004 für
das Projekt meldeten, lag bei 15 Schülern. Die anfängliche Teilnehmerzahl von 24 hatte sich reduziert, da viele der jungen Freiwilligen schon bald darauf weiterführende Schulen in
anderen Städten besuchten. Mittlerweile gibt es eine neue Gruppe von Schülern, die sich im April 2006 formiert hat. Mehr
Informationen zum aktuellen Stand erhalten Sie hier. Im September 2004 erhielt die erste Gruppe die primären Unterrichtsstunden zum Thema wilde Chinchillas.
Am 2. Oktober fand der erste Ausflug ins Reservat statt. An jenem Morgen gegen 9:30 Uhr startete der Minibus Richtung Reserva Nacional Las Chinchillas.
Eingangs erhielten die Schüler Informationen hinsichtlich der Notwendigkeit des Chinchillareservats. Darüber hinaus wurden sie von einem der Parkhüter der CONAF (staatlich chilenische Forstbehörde)
während einer dreistündigen Wanderung durch den botanischen Garten des Reservats über die dort vorzufindende Flora und Fauna informiert. Die Freude war groß als plöt zlich ein chilenischer Fuchs gesichtet wurde, des weiteren kreuzten eine
kleine Schlange (s. rechtes Foto) und einige Eidechsen sowie Vögel den Weg. Nach der Wanderung gab es zunächst eine kleine Stärkung. Es standen mehrere Fruchtsäfte, Obst sowie Butterbrote zum Verzehr bereit.
Schließlich ging es in die Casa Nocturama, wo viele der Schüler zum ersten Mal Chinchillas zu Gesicht bekommen haben. Chinchillas und Chinchillaratten zeigten sich zum Glück von
ihrer aktiven Seite, so dass sich die Schüler interessiert um die Stelle scharten, an der die kleinen Nager zu sehen waren. Die Chinchillaratten
stahlen den Chinchillas zwar ein wenig die Schau, da neben den adulten Tieren mehrere kleine Jungtiere durch das Geäst eines einheimischen Dornstrauches kletterten, - aber wer will ihnen das verübeln!
Zum Zwecke der Anpflanzungsarbeiten, die die Schüler durchführen sollten, stand danach ein Besuch im Pflanzgarten der CONAF auf dem Programm. Gewächshäuser, wie wir sie aus Europa kennen, sind in
Chile weitestgehend unbekannt. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass dergleichen im Vergleich zur praktizierten Methode wesentlich teurer wäre. Man bemüht sich zwar, Techniken zur
automatischen Bewässerung einzubinden, allerdings wird hierbei sehr viel Wasser verbraucht.
Während der zwei Lehrstunden, die vom Leiter des Chinchillareservats, Señor Villarroel, persönlich gegeben wurden, erfuhren die Schüler u.A. etwas
über die Unterschiede zwischen der ursprünglichen Pflanzenwelt und der von den Europäern nach der Eroberung Südamerikas eingeschleppten Pflanzenarten. (s. Fotos rechts) Da in Chile z.B. der
Eukalyptus vielerorts das Landschaftsbild prägt, nahmen viele Jugendliche erstaunt zur Kenntnis, dass dieser Baum seinen Ursprung in Australien hat und nicht zur nativen Pflanzenwelt Südamerikas
gehört. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, wie wichtig ein funktionierendes Ökosystem für die einheimischen Tier- und Pflanzenarten ist. Auch das
Thema Anpflanzungstechnik, so wie es von den Mitarbeitern der CONAF praktiziert wird (s. Foto unten), wurde nicht vernachlässigt. Dabei betonte der Leiter des Chinchillareservats bei seinen
Erläuterungen ausdrücklich, welch hohen Wert die Arbeit der Schüler für Natur und Umwelt besitzt. Im Anschluss an die Ausführungen des Reservatleiters konnten die Schüler Fragen an ihn richten.
Die Schüler arbeiteten bei ihrem nächsten Ausflug ins Reservat (Ende Oktober) ausschließlich in dem dort angrenzenden Pflanzgarten. Dort hatten die Mitarbeiter von CONAF Vorbereitungen hinsichtlich
der Arbeit der Schüler getroffen und ca. 3000 Samen einheimischer Pflanzen zum Anpflanzen zur Verfügung gestellt.
Zunächst wurde der Abschnitt der Pflanzgartens so präpariert, dass dort später 3000 Pflanzen Platz finden können. Dazu mussten die Schüler mit Hacke und Schaufel arbeiten. Trotzdem es ein heißer Tag
war, ging den jungen Freiwilligen die Arbeit schnell von der Hand. Nach derart viel Arbeit, hatten sich alle am Ende einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche verdient!
Des weiteren fanden zwei Ausflüge im November statt, bei denen ausschließlich Samen in eigens dafür vorgesehene Behältnisse gepflanzt wurden. Auch hierbei zeigten die Schüler, dass sie motiviert bei der Sache waren..
Auf den folgenden Fotos (mit freundlicher Genehmigung von S. E. Cerda) können Sie den Stand der
Pflanzenanzucht im Januar 2005 betrachten:
|